Ich kaufe CDs. Ich kaufe auch DVDs. Originale - nicht nur Rohlinge. Und in letzter Zeit komme ich mir im Gegenzug von der Film- und Musikindustrie für dumm verkauft vor. So besitze ich keinen Fernseher, aber ein Laptop. Auf meinem Laptop habe ich eine (lizenzierte) Windowskopie installiert mit einer (lizenzierten) PowerDVD Version. Aber warum? Ich benutze eigentlich nur Linux, aber da darf ich keine DVDs gucken, weil DVDs einen Kopierschutz haben. Diesen Kopierschutz darf ich nicht mit Linux umgehen, obwohl ich Laptop, DVD-Laufwerk und DVD gekauft habe. Ich darf also nicht frei entscheiden, wofür ich meine Hardware nutzen darf oder auf welchem Betriebsystem ich meine DVD sehen kann. Ich muss also zusätzlich eine Windowslizenz und eine Lizenz für eine DVD-Player-Software bezahlen. Schaue ich mir die DVD dann gezwungenermaßen auf Windows an, nerven mich Clips, dass ich keine Filme aus dem Internet laden darf. Diese Clips kann ich auch nicht bei jeder DVD überspringen. Leute die soetwas tun, sind 'Verbrecher', heißt es dort. Ich habe eine DVD gekauft - inwiefern betrifft mich diese Information überhaupt? Und eigentlich wollte ich einen Film zur Entspannung schauen, keine Rechtsbelehrung oder gar nur mal vorsorglich bedroht werden, damit ich auch nicht auf die Idee komme einmal Filme aus dem Internet zu laden.
Ebenfalls stört mich die Vorverurteilung, die Blue-Ray und HD-DVD Medien mit sich bringen. Alles ist derart kopiergeschützt, dass ich es nichtmals sehen darf. Ich habe einen Monitor mit 1920x1200 Auflösung und das auch damit ich darauf HDTV-Filme sehen kann. Das darf ich aber leider nicht, weil ich ein zusätzliches HDTV-Display haben muss, damit der Film überhaupt angezeigt wird. Die Hardware ist leistungsfähig genug für HDTV, ist aber vom Kopierschutz-Hersteller nicht zertifiziert - also bleibt das Bild schwarz.
"Das ist, wie wenn Mercedes eine Wegfahrsperre in seine Autos einbaut und den Schlüssel behält." ("Ärzte"-Sänger Farin Urlaub über den Kopierschutz von CDs, gefunden im FAZ-Bericht, s.u.)
Privat- oder Sicherungskopien sind weiterhin erlaubt, aber nur dann wenn man keinen Kopierschutz umgeht. HDTV-Medien sollen jedoch ausschließlich mit Kopierschutz ausgeliefert werden, ergo ist das Recht zur Privat- oder Sicherungskopie nur noch Theorie und in der Realität nicht vorhanden.
Interessant vielleicht auch die Tatsache, dass gekaufte Medien, dank des zukünftigen Kopierschutzes auch nach dem Kauf unabspielbar werden können, wenn der Hersteller das Abspielen dieses Mediums untersagt, siehe AACS.
Die Musik- und Filmindustrie ist derart verunsichert, dass man für das Hören von Musik und das Ansehen von Filmen nicht jeden Pfennig bezahlt, dass sie mehr und mehr vergisst, dass ihre Unterhaltungangebote nicht ausschließlich dem eigenen Gewinn dienen, sondern auch unterhalten sollen. Ich kaufe CDs und DVDs auch dann, wenn ich sie bei Freunden oder Bekannten schon gehört oder gesehen habe, wenn sie mich begeistern konnten. Obwohl ich mich mit einer Privatkopie legal(!) zufrieden geben könnte, kaufe ich häufig das Original, weil ich der Meinung bin, dass der Künster entlohnt werden sollte und eine positive Rückmeldung in seinen CD-Verkäufen feststellen sollte. Ich bin aber nicht dazu verpflichtet, da ich mir auch eine Privatkopie anfertigen lassen könnte und dabei niemand etwas Ungesetzliches tut.
Die Privatkopie würde aber ebenfalls allen Künstlern zugute kommen, da für die Kopie ein Kopiergerät und zusätzlich ein Medium als Datenträger benötigt würden. Sowohl auf das Kopiergerät - egal ob CD- oder DVD-Brenner, Kassetten- oder Videorekorder - und zusätzlich auf das Medium - egal ob CD- oder DVD-Rohling, Audio- oder Videokassette - wird ein mit der Musikindustrie vereinbarter Betrag an eben diese Musikindustrie abgefürt, der das Kopieren von Audio- oder Video-Dateien im Rahmen der Privatkopie bezahlt. Ich protestiere mit dieser Website gegen die Beschneidung meiner Rechte als Käufer und der Kriminalisierung von Menschen, die sich nicht jede Form von Kultur als Originalmedium leisten können. Grade zukünftige Kunden (Jugendliche) verfügen (noch) nicht über die finanziellen Mittel, jede Musik zu kaufen. Die Musik- und Filmindustrie schließt damit junge Menschen und Menschen, die nicht über ausreichend große finanzielle Mittel verfügen, wie zum Beispiel junge Familien oder Großfamilien, Arbeitslose, Berufseinsteiger oder Rentner von der Kultur ihrer Umwelt aus. Diese Menschen werden genötigt widerrechtliche Wege zu beschreiten, um am kulturellen Leben teilzuhaben, da ihnen verwehrt wird durch die Privatkopie lizenzierte Kultur im kleinen und legalem Kreis miteinander zu teilen. Mehreinnahmen für die Musikindustrie sind nicht zu erwarten, da diesen Menschen grundsätzlich das Geld zum Kauf von Originalmedien fehlt. Links zum Thema:
Kanadische Künstler: "Digital Rights Management (DRM) darf nicht dazu eingesetzt werden, um den Zugang zu verhindern" (Golem, 19.6.2006) Privat kopierte DVDs sind erlaubt (Rundschau Online; 24. 1. 2006) Privatkopien sind bezahlt (iRights.info) Boycott der Musikindustrie (Chaos Computer Club) Kanadische Musiker gegen Musikindustrie (Heise Online) Die Musikindustrie zweifelt am Kopierschutz (FAZ, 4. Juni 2004) Copy4Freedom Against TCPA HD ready ist Irrefürung? (Golem Forumsbeitrag) 6 Mrd. US$ Schäden laut UNVERÖFFENTLICHTER Studio der Filmindustrie (Golem, 3. 5. 2006) Sonys Vizepräsident gibt zu: "Ich kopiere DVDs!" (Golem, 25. 9. 2006) Stichworte für Wikipedia:
HD Ready, HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection), HD-DVD (HDTV-Medium High Density DVD, siehe Kopierschutz), Blue Ray Disk (HDTV-Medium Blue Ray Disk, ebenfalls mit Kopierschutz), AACS (Advanced Access Content System, der zukünftige Kopierschutz), DRM (Digital_Rights_Management), Broadcast Flag |